Ein Beispiel aus dem Alltag
Wir sind spät dran. Wir spüren, dass wir uns gestresst fühlen, weil wir nicht alles geschafft haben. Normalerweise würden wir jetzt einfach noch schneller gehen und versuchen, noch schnell das eine oder andere To-do zu erledigen. Wir fühlen uns dem Stress total ausgeliefert und haben das Gefühl, es wird nie besser und wir werden nie alles schaffen.
In dieser Situation können wir: Stoppen und bemerken: «Ich bin wieder total gestresst!» Dann spüren wir, wie sich unser Magen zusammenzieht und unsere Hand zittert. Statt wie bisher noch schneller zu werden (was den Stress weiterhin aufrechterhält), biegen wir ab und entscheiden: Ich atme jetzt durch, nehme einen Zug später und gehe ganz langsam zum Bahnhof. Während wir das tun, entspannt sich unser System.
Wir fühlen uns plötzlich weniger gestresst. Weil der Teil des Gehirns wieder online geht, der uns dabei unterstützt zu planen, kommt uns plötzlich die Idee, wie wir ein paar To-dos schneller schaffen können. Und plötzlich fühlen wir uns nicht mehr ohnmächtig und gestresst, sondern so, als könnten wir aktiv etwas tun, um uns besser zu fühlen.
Wie Stoppen, Spüren, Abbiegen langfristig wirkt
In der Nervensystem-Arbeit geht es oft darum, aus einer gefühlten Ohnmacht, einer Überforderung oder dem Gefühl, dem Stress ausgeliefert zu sein, herauszukommen.
Mit dem Ablauf «Stoppen, Spüren, Abbiegen» bauen wir Schritt für Schritt eine Ressource auf, die wir in jeder Situation unseres Lebens nutzen können. Dabei geht es gar nicht darum, die Situation, unsere Reaktion oder unser Gefühl zu ändern. Sondern einen neuen, alternativen Umgang für die Situation zu finden und wieder die Führung unseres Lebens übernehmen zu können.
Und am Ende ermöglicht uns dieser Ablauf, wieder bessere Entscheidungen zu treffen, besser zu priorisieren und weniger Muster zu wiederholen, die sich bereits als störend oder sogar schädlich erwiesen haben.