Mehr desselben: Wenn die Lösung zum Problem wird
Unser System bleibt aber nicht einfach im Dauerstress stecken. Es bringt uns dazu, ständig Strategien zu nutzen, um diesen Stress zu bewältigen. Diese Strategien haben viel damit zu tun, was wir gelernt haben und welche Erfahrungen wir gemacht haben. Wir nutzen sie meistens unbewusst.
Einige Beispiele:
- Wir haben gelernt, dass Kontrolle uns Sicherheit ermöglicht. Also versuchen wir die Situation stärker zu kontrollieren.
- Wir haben gelernt, dass wir uns sicherer fühlen, wenn wir keine Fehler machen. Also arbeiten wir noch perfektionistischer.
- Wir haben gelernt, dass wir sicher sind, wenn wir alles für andere machen. Also sagen wir weiterhin «Ja» zu jeder neuen Aufgabe.
- Wir haben gelernt, dass wir einfach mehr arbeiten müssen, um sicher zu sein. Also versuchen wir viel Arbeit mit noch mehr Arbeit zu bewältigen.
Viele unbewusste Bewältigungsstrategien führen dazu, dass wir in einer stressigen Situation noch mehr Stress, Druck und Überforderung erleben. Die vermeintliche Lösung wird zum Problem und der Stress kann chronisch werden.
Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick bezeichnete dieses Muster als «mehr desselben»: Wir versuchen ein Problem mit genau jener Strategie zu lösen, die das Problem langfristig aufrechterhält oder sogar verstärkt.
Nervensystem regulieren: Warum eine Gegenbewegung gefragt ist
Wenn es warm in einem Raum ist, kühlen wir ihn ab. Wenn wir frieren, ziehen wir uns warm an. Das bedeutet es, einen Zustand zu regulieren. Oft braucht es eine Gegenbewegung, um in Balance zu bleiben.
Nervensystem-Regulation funktioniert ähnlich: Unser Nervensystem braucht in einer stressigen Situation das Gefühl, eine überfordernde, überwältigende, unsichere Situation bewältigen zu können. Viele unbewusste Bewältigungsstrategien führen aber vielmehr dazu, dass wir noch mehr Stress, Druck und Überforderung im System auslösen.