Viele meiner Klient:innen berichten mir zu Beginn, wie sie jeden Tag versuchen, selbstbewusster zu denken. Während sie das erzählen, sitzen sie in verkrümmter Haltung vor mir, halten ein Kissen schützend vor ihren Oberkörper und sprechen leise.
Oft geht man davon aus, dass unser Auftreten – und damit auch unser Körper – ein Sinnbild unseres Inneren ist. Für mich als Nervensystem-Coachin zeigt der Körper jedoch vor allem, wie sicher sich das Nervensystem gerade fühlt. Haltung, Mimik und Stimme geben ständig Hinweise darauf, wie wir durch die Welt gehen.
Wir können mit dem Körper zusammenarbeiten, um unsere innere Stimmung zu beeinflussen. Im Coaching tun wir das über Haltung, Körperwahrnehmung, Stimme, Mimik und Bewegung. Studien zeigen, dass unsere Haltung einen direkten Einfluss auf Stimmung und kognitive Leistungsfähigkeit hat.
Eine aufrechte Haltung kann Menschen
machen. Zudem berichten sie häufiger über ein höheres Selbstwertgefühl. Wichtig ist dabei: nichts zu erzwingen. Es geht vielmehr ums Ausprobieren:
Für ein gesundes Selbstbewusstsein ist auch die Fähigkeit wichtig, den eigenen Körper gut spüren zu können. Ein gutes Körpergefühl unterstützt das autonome Nervensystem dabei, sich sicherer und stabiler zu fühlen.
Ein Beispiel: Wenn wir im Bus stehen, können wir meist auch ohne Festhalten das Gleichgewicht halten. Bremst der Bus plötzlich, reagiert unser Körper sofort. Fühlen wir uns hingegen instabil und wenig verbunden mit unserem Körper, entsteht schnell Unsicherheit.
Gleichgewichtsübungen sind deshalb ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Wenn wir das Gewicht verlagern, trainieren wir nicht nur Balance, sondern auch Flexibilität im Nervensystem: Wir erleben, wie es ist, kurz instabil zu werden und immer wieder zurück in die stabile Mitte zu finden. Diese Erfahrung vermittelt ein tiefes Sicherheitsgefühl, das sich positiv auf unser Selbstbewusstsein auswirken kann.
Eigentlich steckt es schon im Wort: Selbstbewusstsein bedeutet, sich selbst bewusst zu sein. Die sogenannte Interozeption (also die Fähigkeit, innere Körperempfindungen wahrzunehmen) spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie unterstützt das Nervensystem in der Regulation und wirkt wie ein direkter Zugang zum Vagusnerv.
Wenn wir besser spüren, was in uns vorgeht, können wir gelassener, offener und stabiler durch den Alltag gehen. Die Fähigkeit, in sich hinein zu hören träg erwiesenermassen dazu bei, ein stabileres Konzept von sich selbst aufrecht zu erhalten.
Selbstbewusstsein bedeutet, sich selbst bewusst und mit sich selbst «fein» zu sein und nicht nur eine mentale Einstellung. Unser Körper, unsere Haltung, unser Gleichgewicht und die Wahrnehmung unseres inneren Zustands beeinflussen, wie sicher wir uns fühlen und wie wir uns zeigen können.
Ja. Selbstbewusstsein lässt sich trainieren, indem du nicht nur deinen Geist, sondern vor allem deinen Körper einbeziehst. Haltung, Körperwahrnehmung, Balance und Interozeption — also das Wahrnehmen der eigenen Körperempfindungen — helfen deinem autonomen Nervensystem, sich sicherer und stabiler zu fühlen.
Weil unser Körper ständig Signale sendet, wie sicher wir uns gerade fühlen. Haltung, Stimme, Mimik und Bewegung beeinflussen nicht nur, wie andere uns wahrnehmen, sondern auch, wie wir uns selbst erleben und wie das autonome Nervensystem reagiert.
Gleichgewichtsübungen trainieren nicht nur den physischen Körper, sondern auch die Flexibilität des Nervensystems. Wenn wir erleben, dass wir trotz kurzzeitiger Instabilität wieder ins Gleichgewicht kommen, stärkt das ein Gefühl von Sicherheit und Stärke.
Nein. Viele Menschen versuchen, ihr Selbstbewusstsein nur über Gedanken zu verbessern. Studien zeigen jedoch, dass körperliche Haltung und Körperwahrnehmung direkten Einfluss auf Stimmung und kognitive Leistungsfähigkeit haben.
Sarah Awad a , Tobias Debatin b , Albert Ziegler: Embodiment: I sat, I felt, I performed – Posture effects on mood and cognitive performance – ScienceDirect
Herbert Gassmann, Larissa Gassmann: Die polyvagale Hausapotheke, 2026 Carl-Auer-Systeme Verlag
Alessandro Monti, Giuseppina Porciello, Maria Serena Panasiti & Salvatore Maria Aglioti: The inside of me: interoceptive constraints on the concept of self in neuroscience and clinical psychology | Psychological Research | Springer Nature Link
In meiner Arbeit nutze ich unter anderem Konzepte und Modelle aus der Polyvagal-Theorie und der Stressforschung. Diese bildhaften Modelle helfen uns, komplexe Stress- und Schutzreaktionen des Körpers einfacher zu verstehen und uns selbst besser kennen zu lernen. Sie sind Landkarten, keine medizinischen Diagnosen und keine absolute Wahrheit. In der Wissenschaft werden neurobiologische Details dieser Modelle laufend diskutiert. Für die Coaching-Praxis sind sie aber extrem wertvoll, weil sie Selbstwahrnehmung und Regulation fördern.

Nervensystem-Coaching nutzt verschiedene Körper-orientierte Modelle (zum Beispiel aus der Polyvagal-Theorie), um Stress und Blockaden besser zu verstehen.
Als Nervensystem-informierte Coachin begleite ich dich in meinem Studio in St.Gallen oder online dabei, deinen Stress zu verstehen und mit einfachen Übungen direkt in deinem Alltag etwas zu verändern.