Schritt 1: Spüren und erfühlen
Alles beginnt in einem bewertungsfreien Raum. Menschen erzählen mir von Situationen, die sie innerlich bewegen. Von Reaktionen, Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen. Ohne Filter. Ohne sich erklären zu müssen. Manchmal begleite ich sie gedanklich direkt in die Situation hinein. Wie fühlt sich der Körper an? Wo entsteht Spannung? Was verändert sich im Atem? Manchmal geben wir dem Gefühl eine Form, eine Farbe oder ein Bild. So wird aus einem vagen Stress ein konkretes inneres Erleben.
Schritt 2: Erkennen
Im nächsten Schritt ordnen wir diese Erfahrung ein. Nicht als richtig oder falsch, sondern als Schutzreaktion des Nervensystems. Fühlt sich die Situation bedrohlich an? Entsteht Kampf, Flucht oder Rückzug? Kommt Blockade oder innere Enge auf?
Hier wird deutlich: Jede noch so störende Reaktion hatte einmal einen guten Grund. Das Nervensystem versucht immer, Sicherheit und Bindung zu erhalten. Besonders in der Kindheit lernen wir Muster, um Beziehungen zu schützen, die für unser Überleben wichtig waren.
Schritt 3: Erklären
Nun schauen wir in einem Trauma-informierten Vorgehen gemeinsam, wo dieses Muster entstanden sein könnte. Oft zeigen sich frühe Situationen, in denen Anpassung notwendig war. Gefühle zurückhalten, still sein, funktionieren, keine Grenzen zeigen. Was damals geholfen hat, wirkt heute oft hinderlich. Als Erwachsene haben wir mehr Möglichkeiten, mehr Ressourcen, mehr Wahlfreiheit.
Doch das Nervensystem reagiert weiterhin mit alten Schutzprogrammen. Diese Zusammenhänge zu erkennen, bringt meist viel Mitgefühl für sich selbst.
Schritt 4: Ersetzen
Veränderung geschieht nicht durch Wegdrücken, sondern durch neue Erfahrungen von Sicherheit. Ich arbeite häufig mit inneren Bildern, Körperwahrnehmung und sanfter Regulation. Sie helfen dem Nervensystem alte Reaktionsschlaufen zu schliessen und zu spüren: Diese Situation ist heute nicht mehr gefährlich. Manchmal entstehen neue Perspektiven auf andere Menschen. Wenn wir ihre Muster erkennen, fühlen sich Begegnungen weniger bedrohlich an. So entstehen nach und nach neue Reaktionsmöglichkeiten.