Warum Coaching sich jetzt verändern muss

Coaching 2026: Prognose
2026 trennt sich im Coaching die Oberfläche vom Handwerk. Buzzwords und schnelle Lösungen verlieren gegen KI und Content-Formate. Bestand hat nur echtes Coaching-Handwerk: Menschen Orientierung geben statt Antworten verkaufen.
2026 kommt ein Paradigmenwechsel
Noch nie zuvor hatten wir so schnell Zugriff auf so viele Informationen wie 2026. Wir finden zu jeder Frage tausende Informationen, Meinungen und Tipps. ChatGPT und Co. nehmen uns die Aufgabe ab, wie wir schwierige E-Mails formulieren, auf einen Konflikt reagieren oder welche Richtung wir einschlagen sollen.
Schwieriger wird es, sich in diesem Urwald an Informationen noch zu orientieren. Oder wie ich immer zu meinen Klient:innen sage: «Ok, und was machst du jetzt mit dieser Antwort von ChatGPT konkret? Wie kannst du das, was du gerade gelesen hast, nachhaltig in deinen Alltag einbauen?»
Schluss mit Pflasterlösungen!

In den letzten Jahren haben viele Coaching-Ansätze versprochen, Probleme zu lösen, Traumata zu heilen oder schnell reich zu machen. Das Problem: Nicht die Methode entscheidet, ob etwas wirkt – sondern das Nervensystem der Klient:innen. Und hier liegt ein zentrales Problem unserer Branche: Schnell. Grösser. Weiter.

Ich verstehe, wie verlockend es ist, in wenigen Sitzungen alles zu erreichen. Eine einzelne Sitzung kann helfen – aber sie kratzt nur an Mustern, die seit Jahrzehnten bestehen. Das ist ein Pflaster auf einer tiefen Wunde: hält kurz, fällt irgendwann ab.

Menschen mit blockiertem Nervensystem brauchen Zeit, Entschleunigung und Orientierung. Eine Coaching-Fachperson muss spüren, ob jemand gestresst, vermeidend, eingefroren oder blockiert ist. Coaching kann niemals One-size-fits-all sein. Jeder Mensch bringt andere Prägungen, eine eigene Geschichte – und ein eigenes Nervensystem mit.

Coach:innen lösen keine Probleme

Coaching ist «Hilfe zur Selbsthilfe». Eine Coaching-Person, die verspricht, Dinge zu lösen, verspricht eine Utopie. Als Fachperson begleiten wir Menschen dabei, selbst eine Lösung zu finden.

Bevor das möglich ist, ist es wichtig, sich orientieren zu können und neue Stabilität zu finden.

Coach:innen, die mit Buzzwords wie Narzissmus, toxisch oder Gaslighting um sich werfen, verstärken oft die Tendenz eines Menschen, sich auf das Gegenüber zu konzentrieren. Aber das Gegenüber ist nicht im Coaching-Raum. Wir können es nicht verändern. Wir können nur verändern, wie wir darauf reagieren und damit umgehen. Das erfordert Selbstreflexion.

Coaching bedeutet echte Präsenz

Viele Coach:innen verkaufen die Methode, mit der sie selbst etwas geschafft haben. Aber wie schon erwähnt: One-size-fits-all gibt es nicht. Deshalb darf es nicht dabei bleiben. Konstante Weiterentwicklung gehört dazu. Der Methodenkoffer muss wachsen, damit man sich sprachlich und methodisch jedem Menschen anpassen kann.

Und das ist eine der grössten Stärken eines Menschen gegenüber jeder künstlichen Intelligenz: Echte Präsenz. ChatGPT kann Antworten liefern, aber keine echte Co-Regulation. Diese ist für uns Menschen entscheidend, um nachhaltig etwas verändern zu können.

Echte Veränderung braucht individuelles Vorgehen

Vielleicht der wichtigste Punkt, der sich in der Coaching-Industrie ändern muss, ist Transparenz. Die Geschichte «Ich war wie du und jetzt bin ich nur noch glücklich und steinreich» hat sich abgenutzt.

Coach:innen sind Führungspersönlichkeiten. Sie haben die Fähigkeit, Menschen authentisch voranzubringen und dabei strategisch vorzugehen. Günstige One-size-fits-all-Lösungen sind ein Einstieg. Aber echte Veränderung passiert in einer Tiefe, die ein individuelles, auf den Menschen angepasstes Vorgehen benötigt. Und das kann eine Coaching-Fachperson nur leisten, wenn genug Vor- und Nachbereitung eingeplant wird. Das schränkt die Anzahl der Coaching-Termine ein und macht eine Sitzung teurer.

Aber ehrlich: Mehrfach eine einzelne Sitzung zu buchen, ein Retreat, einen Kurs oder ein günstiges Online-Coaching summiert sich ebenfalls. Und vieles davon ist einfach ein Pflaster. Ich mag Pflaster. Aber ich möchte, dass meine Wunde darunter heilt und ich nicht ein Leben lang ein neues Pflaster draufkleben muss.

Summary

  • 2026 trennt sich im Coaching die Oberfläche vom Handwerk: Buzzwords und schnelle Lösungen verlieren.
  • Coaching muss Orientierung geben, nicht fertige Antworten liefern.
  • KI und Content liefern Tipps, aber keine nachhaltige Umsetzung im Alltag.
  • Veränderung braucht Zeit, Selbstreflexion und individuelles Vorgehen – Pflasterlösungen reichen nicht.
  • Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe: Präsenz, Co-Regulation und Anpassung an das Nervensystem der Klient:innen sind entscheidend.
  • One-size-fits-all funktioniert nicht; echte Veränderung erfordert Tiefe, Vorbereitung und individuelle Methoden.

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Gisèle Ladner polyvagal-informierte Coachin in St.Gallen

Mein Name ist Gisèle Ladner. Ich habe meine Coaching-Praxis in St.Gallen vor rund vier Jahren gegründet. Ich bin zweifach polyvagal-informiert zertifiziert und liebe die Arbeit mit dem autonomen Nervensystem.

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