Veränderung braucht Rückzug und innere Sicherheit

Nervensystem und Veränderung Coaching

Hast du gewusst, dass sich eine Raupe in ihrem Kokon einmal komplett auflöst, bevor sie zum Schmetterling wird? Sie wird sprichwörtlich zu einer Art Raupensuppe, bevor etwas Neues entstehen kann. Was wäre, wenn die Raupe sich weigern würde, in den Kokon zu gehen, weil sie sich tausend Gedanken darüber macht, was alles passieren könnte?

Die Verwandlung würde nie stattfinden. Sie würde ihr Leben lang davon träumen, was für ein schöner Schmetterling sie geworden wäre.

Auch wir Menschen spüren oft, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Und trotzdem halten uns Ängste, Zweifel und endlose Gedankenschleifen davon ab, den ersten Schritt zu machen. Oder wir versuchen, die Zukunft bis ins kleinste Detail vorauszuplanen, bevor wir überhaupt losgehen.

Wir bauen Sicherheitsnetze, um Unsicherheit zu vermeiden. Doch Veränderung lässt sich nicht vollständig kontrollieren. Wie die Raupe kommen auch wir nicht darum herum, uns für eine Weile im undefinierten Zwischenraum aufzuhalten. In dieser Zeit ist es wichtig, dass wir innere Sicherheit aufbauen können. 

Veränderung beginnt mit Rückzug

Veränderung entsteht von innen nach aussen. Wir merken, dass etwas nicht mehr passt. Dass wir aus einer Situation herausgewachsen sind oder uns etwas nicht mehr gut tut. Natürlich könnten wir sofort im Aussen alles umwerfen: Beziehungen beenden, Jobs kündigen, Entscheidungen überstürzen.

Doch für die meisten Menschen braucht es zuerst einen stillen inneren Prozess. Veränderung braucht Zeit, Achtsamkeit und Raum. Viele ziehen sich in dieser Phase bewusst etwas zurück, um klarer zu spüren, was wirklich stimmig ist. Zu viele Meinungen von aussen können diesen Prozess eher vernebeln als unterstützen.

Im Rückzug tauchen oft Ängste, Zweifel und innere Widerstände auf

Das ist kein Zeichen, dass Veränderung falsch ist. Es ist ein Zeichen, dass dein Nervensystem aktiv wird, um dich zu schützen. Unruhe, Grübeln oder Blockaden entstehen häufig genau dann, wenn etwas Neues ansteht. Sanfte Selbstregulation (so genannte Signale für Sicherheit) hilft deinem autonomen Nervensystem zu verstehen, dass Veränderung nicht automatisch Gefahr bedeutet.

Das kann zum Beispiel sein, sich immer wieder innerlich zuzusprechen: «Ich bin sicher. Ich darf mir Zeit nehmen. Ich finde meinen Weg.» Manchmal hilft es auch, dem Umfeld zu sagen, dass man gerade in einem Prozess ist und etwas mehr Raum für sich braucht.

Ängste, Zweifel und Widerstand können ein Zeichen dafür sein, das dein autonomes Nervensystem Unsicherheit erlebt, weil etwas neu ist.
Wer Unsicherheit aushält, findet innere Sicherheit

Im Veränderungsprozess fühlt sich vieles zunächst schwammig an. Wie bei der Raupe weiss man noch nicht genau, wie der Schmetterling aussehen wird. Diese Phase ist oft gleichzeitig verunsichernd und lebendig. Neue Möglichkeiten tauchen auf, alte Muster lösen sich langsam.

Wer diesen Zwischenraum aushalten kann, entwickelt eine tiefe innere Sicherheit: «Egal was kommt, ich kann damit umgehen. Ich darf ausprobieren. Ich werde spüren, was für mich stimmt.» Nicht weil alles klar ist. Sondern weil das Vertrauen in sich selbst wächst und man wieder spüren kann, was man braucht und möchte. 

Rückschritte gehören dazu

Veränderung verläuft selten geradlinig. Es gibt Phasen von Klarheit und Mut. Und Phasen von Zweifel, Stillstand oder Rückzug. Das ist normal. In diesen Momenten ist es besonders wichtig, immer wieder zur inneren Sicherheit zurückzufinden. Freundlich mit sich zu bleiben, statt sich zu drängen oder abzuwerten.

Dein Nervensystem lernt Schritt für Schritt, dass Neues nicht gefährlich ist.

Fazit
Erfolgreiche Veränderung hängt weniger davon ab, was wir verändern. Sie hängt davon ab, ob wir in der Unsicherheit immer wieder Sicherheit in uns finden. Wie die Raupe dürfen wir uns für eine Zeit zurückziehen, loslassen und nicht alles wissen müssen. Denn genau dort entsteht das Neue.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Warum fühlt sich Veränderung oft so unangenehm an?

Veränderung bedeutet für das Nervensystem Unbekanntes. Neues ist für unser vegetatives Nervensystem erst einmal unsicher. Es reagiert darauf häufig mit Unruhe, Zweifeln oder Widerstand, um Sicherheit zu bewahren. Das ist eine natürliche Schutzreaktion, die sich in Ängsten, Blockaden und Rückzug zeigen kann.

Ist Rückzug bei Veränderung normal?

Ja. Viele Menschen brauchen eine ruhigere Phase, um innere Klarheit zu gewinnen. Rückzug hilft, Entscheidungen aus dem eigenen Gefühl heraus zu treffen.

Warum habe ich trotz Wunsch nach Veränderung Angst?

Ängste entstehen oft, weil das Nervensystem Neues mit Unsicherheit verbindet. Auch positive Veränderungen können Stress auslösen, weil sie unbekannt sind.

Gehören Rückschritte zum Veränderungsprozess?

Ja. Veränderung verläuft selten linear. Zweifel oder kurze Rückzüge sind normal und Teil des Lernprozesses des Nervensystems.

Kann man innere Sicherheit lernen?

Ja. Durch Selbstwahrnehmung, Regulation und sanfte Begleitung kann das Nervensystem lernen, Veränderung als weniger bedrohlich zu erleben. Wir arbeiten im Nervensystem-informierten Coaching mit so genannten Signalen für Sicherheit. Das sind oft einfache Körperübungen, die unserem vegetativen Nervensystem zeigen, dass alles in Ordnung ist.

 

 

In meiner Arbeit nutze ich unter anderem Konzepte und Modelle aus der Polyvagal-Theorie und der Stressforschung.  Diese bildhaften Modelle helfen uns, komplexe Stress- und Schutzreaktionen des Körpers einfacher zu verstehen und uns selbst besser kennen zu lernen. Sie sind Landkarten, keine medizinischen Diagnosen und keine absolute Wahrheit. In der Wissenschaft werden neurobiologische Details dieser Modelle laufend diskutiert. Für die Coaching-Praxis sind sie aber extrem wertvoll, weil sie Selbstwahrnehmung und Regulation fördern.

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Gisèle Ladner polyvagal-informierte Coachin in St.Gallen

Mein Name ist Gisèle Ladner. Ich begleite Menschen in meinem Studio in St.Gallen und online dabei, Stress, Blockaden und Überforderung mit Nervensystem-informierten Coaching-Modellen besser zu verstehen und direkt im Alltag neu damit umzugehen. In einer ersten Orientierungs-Sitzung besprechen wir gemeinsam, wie wir deine Ziele erreichen können.

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