Leistungsfähig oder gestresst? Was im autonomen Nervensystem bei Stress passiert

Stress und Nervensystem: Gestresst oder im Flow?

Wie beruhige ich mein Nervensystem bei Stress? Eine der häufigsten Fragen im Nervensystem-Coaching. Um zu verstehen, warum Stress uns sowohl beflügeln als auch lähmen kann, nutzen wir im Coaching die Polyvagal-Theorie. Wenn wir besser verstehen, was im autonomen Nervensystem bei Stress passiert, können wir verändern, wie wir mit Stress umgehen. 

 

Was ist Stress und wie wirkt er auf das vegetative Nervensystem?

Egal was wir gerade erleben: Wir reagieren darauf und passen uns der Situation an. Ein grosser Teil dieser Anpassung passiert unbewusst durch das autonome Nervensystem.

Das autonome Nervensystem wird oft auch vegetatives Nervensystem genannt. Wie ein Bodyguard ist es ständig damit beschäftigt, die Umwelt, andere Menschen und unseren Körper zu überprüfen. Diese Überprüfung läuft unbewusst und heisst gemäss der Polyvagal-Theorie Neurozeption. Es wird bewertet, ob wir gerade sicher, unsicher oder in Gefahr sind.

Durch die Neurozeption bewertet das autonome Nervensystem, ob wir gerade weitgehend sicher, unsicher oder bedroht sind.
Neurozeption: was dein System im Hintergrund bewertet

Nach dieser Überprüfung organisiert das autonome Nervensystem gemeinsam mit verschiedenen Gehirnarealen die Reaktionen des Körpers. Wie ein Dirigent steuert es:

• Herzschlag
• Verdauung
• Atmung
• Körperspannung
• Blick
• Haltung

Unser Nervensystem verfolgt ein Ziel: dass wir überleben und sicher sind. Fühlen wir uns unbewusst weitgehend sicher, können wir stressige Situationen eher mit Energie und Konzentration bewältigen. Nimmt das System Unsicherheit wahr, löst kann es eine Schutzreaktionen auslösen.

Herzschlag, Verdauung, Anspannung oder Mimik: Das autonome Nervensystem ist an vielen Prozessen beteiligt.
Wenn der Sympathikus dominiert

Eine Schutzreaktion bedeutet oft, dass der Sympathikus und damit der Fight-Flight-Zustand dominiert. Herz und Atem beschleunigen sich, Muskeln spannen sich an, und wir erleben eher Druck, Anspannung, Ungeduld und Getrieben-sein. Man könnte es auch so übersetzen:

Fühlt sich eine Aufgabe herausfordernd und machbar an oder so, als würde etwas Schlimmes passieren, wenn wir sie nicht schaffen?

Das Gefühl von Stress hat viel damit zu tun, ob sich Aufgaben bewältigbar anfühlen oder so, als ob wir niemals fertig werden.
Stress ist nicht dafür gedacht, dauerhaft zu sein

Stress ist als kurzfristige Reaktion gedacht. Eigentlich sind wir dafür gebaut, nach einer Phase der Anspannung wieder in Entspannung zu kommen. Dann übernimmt der Teil des autonomen Nervensystems der für Erholung und Verdauung zuständig ist: Der Parasympathikus.

Oft ist also nicht die aktuelle Herausforderung allein der Grund, warum wir Stress empfinden. Sondern ob wir die Anspannung regelmässig unterbrechen und uns wieder erholen können.

Ob uns der Wechsel von der Anspannung in die Entspannung gelingt, hat aus polyvagaler Sicht viel damit zu tun, ob unser vegetatives Nervensystem ausreichend Signale der Sicherheit findet. Wenn Signale der Gefahr überwiegen, bleiben wir in einem Schutzzustand.

Fazit
Stress kann entstehen, wenn dein autonomes Nervensystem in der Neurozeption Unsicherheit oder Bedrohung wahrnimmt. Der Sympathikus mobilisiert Energie. Leistungsfähigkeit bleibt eher erhalten, wenn dein System danach wieder entspannen kann oder sich weitgehend sicher fühlt.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was ist das autonome Nervensystem?

Das autonome oder auch vegetative Nervensystem ist gemeinsam mit zahlreichen Hirnarealen an Körperfunktionen beteiligt, die wir nicht willentlich steuern. Beispiele dafür sind der Herzschlag, die Verdauung und unser Atem. Die Polyvagal-Theorie beschreibt drei Reaktionskreisläufe, mit denen das autonome Nervensystem auf Sicherheit oder Gefahr reagieren kann.

Was bedeutet Neurozeption?

Gemäss der Polyvagal-Theorie die unbewusste Bewertung von Sicherheit oder Gefahr durch das Nervensystem.

Warum fühlt sich Stress körperlich so intensiv an?

Weil Muskeln, Atem und Herz aktiviert werden, um Energie bereitzustellen.

Ist Stress immer negativ?

Nein, kurzfristiger Stress kann Leistungsfähigkeit fördern. Wenn wir uns unbewusst weitgehend sicher fühlen, können wir Stress und Herausforderungen eher meistern, ohne dauerhaft im Stress zu bleiben.

In meiner Arbeit nutze ich unter anderem Konzepte und Modelle aus der Polyvagal-Theorie und der Stressforschung.  Diese bildhaften Modelle helfen uns, komplexe Stress- und Schutzreaktionen des Körpers einfacher zu verstehen und uns selbst besser kennen zu lernen. Sie sind Landkarten, keine medizinischen Diagnosen und keine absolute Wahrheit. In der Wissenschaft werden neurobiologische Details dieser Modelle laufend diskutiert. Für die Coaching-Praxis sind sie aber extrem wertvoll, weil sie Selbstwahrnehmung und Regulation fördern.

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Gisèle Ladner polyvagal-informierte Coachin in St.Gallen

Mein Name ist Gisèle Ladner. Ich begleite Menschen in meinem Studio in St.Gallen und online dabei, Stress, Blockaden und Überforderung mit Nervensystem-informierten Coaching-Modellen besser zu verstehen und direkt im Alltag neu damit umzugehen. In einer ersten Orientierungs-Sitzung besprechen wir gemeinsam, wie wir deine Ziele erreichen können.

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