Warum blockiere ich immer wieder und handle gegen meine eigenen Bedürfnisse?

Blockaden als Antwort des Nervensystems

Warum bin ich wie gelähmt, wenn mich jemand nach meinen Bedürfnissen fragt?
Warum schaffe ich es nicht, mein Verhalten in bestimmten Situationen zu verändern?
Warum werte ich mich immer wieder ab?

Warum kann ich nicht für mich einstehen, obwohl ich eigentlich genau weiss, was ich brauche?
Warum fällt es mir so schwer, über mich zu sprechen?

Viele Menschen erleben diese Muster als persönliches Versagen.
Doch oft haben sie weniger mit mangelndem Selbstvertrauen zu tun, als mit dem Nervensystem.

Blockaden sind häufig Schutzreaktionen des Körpers

In Nervensystem-informierten Modellen verstehen wir automatische Reaktionsmuster nicht als Fehler, sondern als Schutzmechanismen. Dein autonomes Nervensystem hat in früheren Lebensphasen gelernt, was Sicherheit bedeutet und was nicht. Besonders in der Kindheit passt sich der Körper stark an das Umfeld an, um Bindung aufrechtzuerhalten. Nicht aus Schwäche. Sondern aus Überlebensintelligenz.

Wenn ein Umfeld laut, unberechenbar oder emotional unsicher war, konnte das Nervensystem zum Beispiel lernen:

  • Still sein ist sicherer als sich zeigen.
  • Gefühle unterdrücken schützt vor Konflikt.
  • Eigene Bedürfnisse äussern ist riskant.
  • Anpassung sichert Zugehörigkeit.

Manchmal werden sogar natürliche Impulse wie Wut, Abgrenzung oder Flucht gebremst, um Beziehungen nicht zu gefährden.

Viele Verhaltensmuster waren früher hilfreich, um sich sicher zu fühlen. Heute stehen sie uns oft im Weg.
Warum sich Veränderung so schwer anfühlt

Als Erwachsene wollen wir bewusster handeln. Doch unser Nervensystem reagiert schneller als unser Verstand. In Situationen, die unbewusst an frühere Unsicherheit erinnern, aktiviert der Körper automatisch alte Schutzmuster. Blockade, Rückzug, Selbstabwertung oder Anpassung passieren, bevor wir bewusst eingreifen können. Das bedeutet nicht, dass du unfähig bist, dich zu verändern. Es bedeutet, dass dein System versucht, dich zu schützen.

Der erste Schritt ist Verständnis statt Selbstkritik

Wenn wir unsere Muster nur bekämpfen, verstärken wir oft den inneren Druck. Wenn wir sie als Schutzreaktionen verstehen, entsteht etwas Neues: Verständnis und Handlungsfähigkeit.

Aus dieser Haltung wird Veränderung möglich. Nicht durch Zwang, sondern durch Sicherheit. Mit der Zeit kann dein Nervensystem lernen, dass neue Reaktionen heute sicherer sind als früher.

Fazit
Blockaden, Anpassung und Selbstabwertung sind oft keine Charakterschwächen, sondern erlernte Schutzreaktionen deines autonomen Nervensystems. Mit Verständnis, Sicherheit und passenden Tools können diese Muster Schritt für Schritt verändert werden. Nicht gegen dich. Sondern mit deinem Körper.
Unterstützung für deinen Prozess

Du findest hier ein Arbeitsblatt zum Download, das dich dabei begleitet, ein Schutzmuster achtsam zu erforschen und erste neue Handlungsspielräume zu entdecken.

Neurogespür Schutzmuster Arbeitsblatt

Aus dieser Haltung wird Veränderung möglich. Nicht durch Zwang, sondern durch Sicherheit. Mit der Zeit kann dein vegetatives Nervensystem lernen, dass neue Reaktionen heute sicherer sind als früher.

FAQ – Häufig gestellte Fragen
Warum blockiere ich, wenn ich nach meinen Bedürfnissen gefragt werde?

Häufig reagiert das autonome Nervensystem mit Schutz, wenn Bedürfnisse früher mit Konflikt, Ablehnung oder Unsicherheit verbunden waren. Blockade ist dann eine automatische Schutzreaktion. Durch Druck wird die Blockade meistens noch verhärteter.

Sind meine Verhaltensmuster ein Zeichen von Schwäche?

Nein. Viele Reaktions- und Verhaltensmuster entstehen als Anpassung in der Kindheit, um Bindung und Sicherheit zu erhalten. Sie waren früher hilfreich und sind heute oft unbewusst aktiv.

Warum kann ich mein Verhalten nicht einfach ändern?

Das Nervensystem reagiert schneller als der Verstand. In stressähnlichen Situationen werden alte Schutzreaktionen automatisch aktiviert, auch wenn du bewusst anders handeln möchtest.

Kann man solche Muster wirklich verändern?

Ja. Mit Verständnis, Regulation und innerer Sicherheit kann das Nervensystem neue Reaktionsweisen lernen. Ich nenne das im Coaching Re-Training. Veränderung entsteht nicht durch Druck, sondern durch Sicherheit, Wiederholung, Rhythmus und Orientierung.

Ist Nervensystem-informiertes Coaching eine Therapie?

Nein. Coaching unterstützt Selbstwahrnehmung und persönliche Entwicklung. Es ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung.

Wann sollte ich therapeutische Hilfe suchen?

Bei starken Ängsten, Depressionen, Traumafolgen oder akuten Krisen ist psychotherapeutische Begleitung wichtig. Coaching kann ergänzen, ersetzt sie aber nicht. Viele meiner Klient:innen haben viel Therapie-Erfahrung oder werden von mir begleitend zur Therapie unterstützt.

In meiner Arbeit nutze ich unter anderem Konzepte und Modelle aus der Polyvagal-Theorie und der Stressforschung.  Diese bildhaften Modelle helfen uns, komplexe Stress- und Schutzreaktionen des Körpers einfacher zu verstehen und uns selbst besser kennen zu lernen. Sie sind Landkarten, keine medizinischen Diagnosen und keine absolute Wahrheit. In der Wissenschaft werden neurobiologische Details dieser Modelle laufend diskutiert. Für die Coaching-Praxis sind sie aber extrem wertvoll, weil sie Selbstwahrnehmung und Regulation fördern.

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Gisèle Ladner polyvagal-informierte Coachin in St.Gallen

Mein Name ist Gisèle Ladner. Ich begleite Menschen in meinem Studio in St.Gallen und online dabei, Stress, Blockaden und Überforderung mit Nervensystem-informierten Coaching-Modellen besser zu verstehen und direkt im Alltag neu damit umzugehen. In einer ersten Orientierungs-Sitzung besprechen wir gemeinsam, wie wir deine Ziele erreichen können.

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