Ich verstehe mich selbst nicht mehr: Wenn Stress Gefühle und Denken blockiert

Ich verstehe mich selbst nicht mehr Nervensystem

Wenn Gefühle plötzlich übermächtig werden, verlieren wir oft den Zugang zu uns selbst. Wir reagieren stärker als wir wollen, fühlen uns blockiert und wissen nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Diese Überforderung ist kein Versagen, sondern eine Schutzreaktion des vegetativen Nervensystems.

Wenn starke Gefühle uns innerlich lähmen

«Ich reagiere extrem auf diese Situation und kann mich selbst nicht mehr verstehen. Was soll ich nur tun?» Viele Menschen erleben genau das, wenn eine Situation intensive Emotionen auslöst. Wir fühlen etwas sehr Starkes und verstehen gleichzeitig nicht, warum wir so reagieren. Das führt häufig in einen inneren Kreislauf:

  • Gefühle tauchen auf
  • Überforderung entsteht
  • Selbstkritik kommt dazu
  • Handlungsfähigkeit verschwindet

Je weniger wir uns verstehen, desto stressiger wird die Situation.

Warum wir uns selbst verstehen müssen, um handeln zu können

Menschen können Herausforderungen nur bewältigen, wenn sie ihre Erfahrungen einordnen können. Verstehen schafft Orientierung. Orientierung ermöglicht Entscheidungen. Wenn diese innere Verstehbarkeit verloren geht, fühlen wir uns hilflos, blockiert und ausgeliefert. Deshalb fragen viele verzweifelt: «Was soll ich jetzt tun?» Im Coaching geht es jedoch selten darum, schnelle Ratschläge zu geben. Professionelle Coach:innen begleiten ihre Klient:innen dabei, selbst eine stimmige Antwort zu finden.

Und stimmig bedeutet, dass sich unser Kopf und unser autonomes Nervensystem wieder kohärent einig sind. 

Wenn wir uns selbst nicht mehr verstehen, verlieren wir die Kohärenz zwischen Gedanken und Gefühlen. Wir sind wie gespalten.
Stress blockiert unser Problemlösungszentrum

Wenn wir stark gestresst sind, reagiert unser autonomes Nervensystem mit Alarm. Vereinfacht gesagt, verlieren wir dann oft den Zugriff auf den Bereich, der für reflektiertes Denken, Einordnen und Planen zuständig ist. Statt Lösungen zu sehen, erleben wir

  • Gedankenchaos
  • emotionale Überflutung
  • Blockaden
  • Impulsreaktionen
  • Der Körper befindet sich in Kampf oder Flucht

Das ist keine Schwäche, sondern eine autonome Schutzreaktion.

Warum wir Gefühle spüren, aber nicht mehr verstehen können

Hier entsteht der innere Konflikt: Wir fühlen intensive Emotionen. Gleichzeitig fehlt uns die Klarheit, sie einzuordnen oder sinnvoll zu handeln. Das Nervensystem ist auf Sicherheit fokussiert, nicht auf Analyse. Solange der Körper Gefahr wahrnimmt, bleiben Verständnis und Problemlösung eingeschränkt.

Wenn wir uns selbst nicht mehr verstehen, erleben wir einen inneren Konflikt. Wem sollen wir jetzt vertrauen, unserem Gefühl oder unserem Verstand?
Sicherheit im Nervensystem bringt Klarheit zurück

Der erste Schritt ist nicht Nachdenken, sondern Beruhigung. Wenn der Körper wieder mehr Sicherheit erlebt, öffnet sich der Zugang zu Klarheit.

In Nervensystem-informiertem Coaching nutze ich folgende Tools, um meine Klient:innen dabei zu begleiten, sich wieder selbst besser zu verstehen:

  • Gesprächsbegleitung
  • sanfte Atemtechniken
  • körperorientierte somatische Übungen
  • Fantasiereisen
  • Co-Regulation

Unser gemeinsames Ziel ist es, das innere Stressniveau zu senken. Erst danach wird es wieder möglich, Gefühle einzuordnen, Zusammenhänge zu erkennen und Lösungen zu entwickeln.

Kurz gesagt: Wir müssen zuerst die gefühlte Gefahr beruhigen, bevor wir verstehen können.

Gefühle wollen verstanden werden, nicht abgeschaltet

Es geht nicht darum, Emotionen loszuwerden oder wegzudrücken. Gefühle sind Signale. Wenn wir lernen, sie in einem sicheren Rahmen wahrzunehmen und zu verstehen, verlieren sie ihre überwältigende Kraft. Klarheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Sicherheit.

Fazit
Wenn du dich selbst nicht mehr verstehst, ist das kein persönliches Scheitern. Es ist ein Zeichen von Stress im Nervensystem. Sobald der Körper wieder Sicherheit erlebt, kehren Klarheit, Verständnis und Handlungsspielraum zurück.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Warum verstehe ich mich in Stresssituationen nicht mehr?

Weil das Nervensystem in Alarm geht und der Körper den Zugriff auf klares Denken vorübergehend reduziert. Gefühle werden intensiver, während Einordnung schwerfällt.

Ist emotionale Überforderung ein Zeichen von Schwäche?

Nein. Sie ist eine automatische Schutzreaktion des Körpers auf gefühlte Gefahr oder Überlastung.

Warum hilft Nachdenken in solchen Momenten oft nicht?

Weil der Körper zuerst Sicherheit braucht. Solange das autonome Nervensystem Stress wahrnimmt, bleibt der Zugang zu Problemlösung eingeschränkt.

Was hilft bei emotionaler Überforderung?

Beruhigung des Körpers durch Atmung, Wahrnehmung, Beziehung und sanfte Regulation. Danach kehrt Klarheit oft von selbst zurück.

In meiner Arbeit nutze ich unter anderem Konzepte und Modelle aus der Polyvagal-Theorie und der Stressforschung.  Diese bildhaften Modelle helfen uns, komplexe Stress- und Schutzreaktionen des Körpers einfacher zu verstehen und uns selbst besser kennen zu lernen. Sie sind Landkarten, keine medizinischen Diagnosen und keine absolute Wahrheit. In der Wissenschaft werden neurobiologische Details dieser Modelle laufend diskutiert. Für die Coaching-Praxis sind sie aber extrem wertvoll, weil sie Selbstwahrnehmung und Regulation fördern.

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Gisèle Ladner polyvagal-informierte Coachin in St.Gallen

Mein Name ist Gisèle Ladner. Ich begleite Menschen in meinem Studio in St.Gallen und online dabei, Stress, Blockaden und Überforderung mit Nervensystem-informierten Coaching-Modellen besser zu verstehen und direkt im Alltag neu damit umzugehen. In einer ersten Orientierungs-Sitzung besprechen wir gemeinsam, wie wir deine Ziele erreichen können.

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