Viele Menschen versuchen Unsicherheit mit dem Kopf zu lösen. Sie reden sich gut zu oder versuchen die innere, kritische Stimme einfach zu übertönen. Doch oft bleibt im Bauch trotzdem dieses nagende Gefühl, nicht zu genügen.
Viele Menschen versuchen Unsicherheit mit dem Kopf zu lösen. Sie reden sich gut zu oder versuchen die innere, kritische Stimme einfach zu übertönen. Doch oft bleibt im Bauch trotzdem dieses nagende Gefühl, nicht zu genügen.
Oft begegnen wir Unsicherheiten mit unserem Kopf und versuchen die Stimme in uns, die uns ständig kritische Dinge einflüstert, mit dem Gegenteil zu überschreien. Das ist ein bisschen so, als käme eine Person, die wir mögen, zu uns und erzählt, dass sie Angst hat, nicht schön genug zu sein.
Und wir reden unaufhörlich auf sie ein, dass sie doch wirklich toll ist und keinen Grund hat, an sich zu zweifeln. Doch am Ende geht diese Person nach Hause und spürt im Bauch immer noch dieses Gefühl: «Was, wenn ich nicht genüge?» Und im Kopf ist zusätzlich eine zweite Stimme laut, die schreit: «Du hast keinen Grund, so zu denken!»
So fühlt sich Unsicherheit oft an. Nicht nur unangenehm, sondern auch innerlich widersprüchlich.
Es mag paradox klingen, aber diese mühsame innere Stimme, die dir immer wieder einflüstert, dass du nicht gut genug, nicht schön genug, nicht erfolgreich genug, nicht genug bist, meint es eigentlich gut mit dir.
Denn häufig ist sie Teil einer Schutzreaktion gegen eine vermeintliche Gefahr, die wir auf keinen Fall (wieder) erleben möchten. Aus Nervensystem-informierter Sicht ist Unsicherheit oft ein Signal von innerer Mobilisation. Etwas in uns ist wach, angespannt, auf der Suche nach Sicherheit. Nicht, weil wir falsch sind, sondern weil unser System versucht, uns zu schützen.
Bevor wir die Angst vor dieser gefühlten Gefahr beruhigen können, brauchen wir etwas anderes als Gegenargumente. Wir brauchen Verständnis. Ein wenig wie bei einem Kind, das verängstigt zu seinen Eltern rennt und überzeugt ist, dass unter dem Bett ein Monster sitzt.
Dem Kind zu sagen, seine Angst sei dumm und unberechtigt, hilft nicht. Das Kind fühlt sich dann nicht gesehen, sondern allein. Es wird zurück ins Bett gehen und vielleicht lernen, dass es seine Angst künftig unterdrücken sollte, weil sie «dumm» ist. So machen wir es häufig auch mit uns selbst. Wir wollen Unsicherheit weg haben und übergehen dabei den Teil in uns, der gerade Schutz sucht.
Unsicherheit bezieht sich meist auf eine Situation, die wir (früher) als bedrohlich erlebt haben. Manchmal ist es eine konkrete Erfahrung, manchmal eine alte Erinnerung, manchmal nur ein Gefühl, das plötzlich da ist. Diese gefühlte Gefahr aktiviert unseren inneren Bodyguard: das autonome Nervensystem. Sein oberstes Ziel ist nicht, dass wir uns logisch erklären können, warum alles gut ist. Sein oberstes Ziel ist Sicherheit. Bleibt Unsicherheit aktiv, fühlt es sich an, als stünde die Gefahr noch immer irgendwo vor, hinter oder über uns. Und dann kommen wir nicht zur Ruhe.
In der gemeinsamen Coaching-Arbeit erarbeiten wir eine neue Perspektive auf eine Unsicherheit und versuchen, die innere Mobilisation zu beruhigen. Das benötigt manchmal eine paradoxe Herangehensweise. Nicht kämpfen, nicht wegdrücken, nicht sich selbst anschreien. Sondern annehmen und verstehen.
Wenn Unsicherheit sich innerlich beruhigt, entsteht Raum für etwas Neues. Dann lässt sich die alte, kritische Geschichte oft umformen, bis daraus ein neuer Umgang werden kann.
Weil Unsicherheit keine reine Gedanken-Reaktion ist, sondern häufig aus einer Schutzreaktion des vegetativen Nervensystems entsteht. Der Körper fühlt sich noch nicht sicher, auch wenn der Kopf beruhigende Argumente liefert. Oft haben die inneren kritischen Stimmen einen Sinn, der aufrecht erhalten werden muss, bis wir ihn verstanden haben.
Nicht unbedingt. Unsicherheit und kritische Stimmen sind oft ein Hinweis darauf, dass dein System auf eine frühere oder gefühlte Gefahr reagiert und dich schützen möchte. Das kann, muss aber nicht mit einem geringen Selbstwert einhergehen.
Wenn wir Unsicherheit wegdrücken oder ignorieren möchten, verstärkt das häufig die innere Anspannung. Das Nervensystem reagiert dann mit noch mehr Alarm.
Annehmen heisst, die kritischen Stimmen zu akzeptieren, sondern die Schutzreaktion ernst zu nehmen und ihr mit Verständnis zu begegnen, statt sie zu bekämpfen. Dadurch kann sich das autonome Nervensystem zunehmend beruhigen.
Ja. Wenn das Nervensystem neue Erfahrungen von Sicherheit macht und die Aufgabe der kritischen inneren Stimmen verstanden worden ist, können alte Unsicherheitsmuster Schritt für Schritt leiser werden.
In meiner Arbeit nutze ich unter anderem Konzepte und Modelle aus der Polyvagal-Theorie und der Stressforschung. Diese bildhaften Modelle helfen uns, komplexe Stress- und Schutzreaktionen des Körpers einfacher zu verstehen und uns selbst besser kennen zu lernen. Sie sind Landkarten, keine medizinischen Diagnosen und keine absolute Wahrheit. In der Wissenschaft werden neurobiologische Details dieser Modelle laufend diskutiert. Für die Coaching-Praxis sind sie aber extrem wertvoll, weil sie Selbstwahrnehmung und Regulation fördern.

Mein Name ist Gisèle Ladner. Ich begleite Menschen in meinem Studio in St.Gallen und online dabei, Stress, Blockaden und Überforderung mit Nervensystem-informierten Coaching-Modellen besser zu verstehen und direkt im Alltag neu damit umzugehen. In einer ersten Orientierungs-Sitzung besprechen wir gemeinsam, wie wir deine Ziele erreichen können.